Die Schweizer Armee spricht ihre eigene Sprache, und niemand erklärt sie dir am ersten Tag. Hier sind 100 Begriffe, Abkürzungen und Slang-Ausdrücke aus RS und WK, alphabetisch und in je ein bis zwei Sätzen erklärt: vom Abendverlesen bis zur Zwischenverpflegung, vom offiziellen Kürzel bis zum Ausdruck, den nur die Truppe braucht. Die offiziellen Abkürzungen lernst du am schnellsten mit den Lernkarten im Armeekompass, der Rest hier.
A
- ABC — Atomar, biologisch, chemisch. Die ABC-Abwehr umfasst alles, was dich auf den Einsatz solcher Waffen vorbereitet: Schutzmaske, Schutzanzug, Dekontamination.
- Abtreten — Kommando, das eine Formation auflöst. Das schönste Wort des Tages, weil danach meist Pause, Ausgang oder Feierabend kommt.
- ABV (Abendverlesen) — Abendliches Ritual: Die Zimmerchefs melden dem Vorgesetzten den Bestand ihres Zimmers, also wer da ist, wer im Urlaub, wer krank.
- Achtungstellung — Formelle Grundhaltung: Fersen zusammen, Fussspitzen im Winkel, Arme am Körper, nicht bewegen, bis das nächste Kommando kommt.
- AdA — Angehörige oder Angehöriger der Armee. Der offizielle Sammelbegriff für alle, vom Rekruten bis zum Divisionär.
- AGA — Allgemeine Grundausbildung, die erste Phase der RS. Danach folgen FGA und VBA, siehe die ersten Wochen der RS.
- Aufgebot — Die schriftliche Einberufung zum Dienst, mit Datum und Ort. Die Dienstanzeige kommt spätestens 21 Wochen vorher, der Marschbefehl kurz vor dem Dienst.
- Ausgang — Die Stunden, in denen du die Kaserne verlassen darfst, in der RS meist an festen Abenden. Der Ausgänger ist das Tenü dazu, siehe Tenü A.
- AV (Antrittsverlesen) — Das morgendliche Gegenstück zum ABV: Die Kompanie tritt an, der Bestand wird gemeldet, der Tagesablauf befohlen.
B
- Bananengas — Dichtigkeitstest der Schutzmaske mit einem Stoff, der nach Banane riecht. Riechst du nichts, sitzt die Maske. Riechst du Banane, sitzt sie nicht.
- Beinriemen — Elastische Bänder, mit denen das Hosenbein über dem Stiefel fixiert wird, damit nichts hängt und nichts hineinfällt.
- BO (Berufsoffizier) — Offizier, der die Armee zum Beruf gemacht hat, nach Selektion und Militärakademie. Nicht zu verwechseln mit Milizoffizieren, die nur im Dienst Offizier sind.
- BU (Berufsunteroffizier) — Das Pendant für Unteroffiziere, ausgebildet an der BUSA.
- BUSA — Berufsunteroffiziersschule der Armee, zweijährige Ausbildung zum Berufsunteroffizier.
D
- Daher — Kommando und Formation zugleich: Die Gruppe bildet einen Halbkreis um den Vorgesetzten, der so den Auftrag erklärt oder informiert.
- DD (Durchdiener) — Wer den ganzen Dienst am Stück leistet, rund 300 Tage, ohne spätere WK. Der Vergleich zum WK-Modell: Durchdiener oder WK?
- Detachement / detachieren — Ein Teil einer Formation, der für einen eigenen Auftrag abgetrennt wird. Der Zug detachiert eine Gruppe, die Gruppe erledigt den Auftrag.
- DHU (Durchhalteübung) — Mehrtägige Übung mit wenig Schlaf und viel Bewegung, meist am Ende einer Ausbildung: RS, UOS und ganz sicher OS.
- Dienstbüchlein — Dein persönliches Dokument mit Einteilung, Diensttagen und Beförderungen. Verlieren ist keine Option.
- Duro — Geländegängiges Transportfahrzeug für rund ein Dutzend Personen. Das Fahrzeug, in dem du die meisten Verschiebungen sitzt.
E
- E / NE — Erfüllt oder nicht erfüllt. Die Bewertung von Ausbildungszielen und Prüfungen. Bei NE wird wiederholt.
- Effektensack / Effektentasche — Grosser Sack beziehungsweise Tasche, in der du dein Material transportierst. Die Tasche, die du beim Einrücken und Entlassen schleppst.
- EO — Erwerbsersatz. Der Ausgleich für den Verdienstausfall im Dienst, neben dem Sold. Details: Sold und EO.
F
- Fassen — Material beziehen. Du fasst Waffe, Munition, Verpflegung. Das Gegenteil ist abgeben.
- Feldweibel (Fw) — Unteroffiziersgrad. Der Hauptfeldweibel (Hptfw) ist die rechte Hand des Kompaniekommandanten für alles Administrative und Disziplinarische.
- FGA — Funktionsgrundausbildung, die zweite RS-Phase, in der du deine Funktion lernst.
- Fourier (Four) — Verantwortlich für Verpflegung, Unterkunft und Rechnungsführung der Kompanie. Der, der den Sold auszahlt.
- Füsel — Umgangssprachlich für Füsilier, also den Infanteristen.
G
- Gamelle — Das Ess- und Kochgeschirr aus Metall, das du im Feld brauchst.
- Gefreiter (Gfr) — Erster Grad über dem Soldaten, für sehr gute Qualifikation. Alle Grade im Überblick: Gradabzeichen der Schweizer Armee.
- Gruppe — Kleinste Einheit von etwa acht bis zehn Soldaten, geführt vom Gruppenführer, meist ein Wachtmeister oder Korporal.
- GTE (Grundtrageeinheit) — Die Tragweste beziehungsweise das Tragsystem, an dem Magazine, Schutzmaske und Kleinmaterial hängen.
H
- HB (Hält sich bereit) — Warten, ohne etwas zu tun, aber jederzeit einsatzbereit. Ein grosser Teil des Militärdiensts besteht aus HB.
- Hiba (Hindernisbahn) — Die Sportanlage mit Hindernissen, auf der du gemessen wirst. Der Ort mit den meisten Verletzungen der ganzen RS.
- Hülsele — Nach dem Schiessen alle Patronenhülsen einsammeln. Niemand mag es, jeder macht es.
- HV (Hauptverlesen) — Feierliches Verlesen mit Kontrolle von Tenü und Material, meist vor dem Wochenende oder dem Ausgang.
I
- IDE (Innerer Dienst) — Putzen und Ordnung: Kaserne reinigen, Zimmer in Ordnung bringen, sich selbst herrichten.
- IVP (Individuelles Verbandspäckli) — Der Notfallverband, den jede AdA am Körper trägt, für den Druckverband im Ernstfall.
K
- Kampfstiefel (KS) — Die Stiefel. KS 90 sind die alten schwarzen, KS 19 die neueren. Wie du sie einläufst: Kampfstiefel einlaufen.
- Kaserne — Dein Zuhause für 18 Wochen.
- Kompanie (Kp) — Einheit von rund 100 bis 200 AdA, geführt vom Kompaniekommandanten (Kp Kdt), meist ein Hauptmann.
- Korporal (Kpl) — Unteroffiziersgrad, führt meist eine Gruppe oder ist Stellvertreter des Gruppenführers.
- KP (Kommandoposten) — Das Büro der Führung im Einsatz, mobil oder fest.
- Küchenchef — Der Chef der Truppenküche. Mit ihm gut zu stehen, lohnt sich.
- KUSA (Kampfrucksack) — Der grosse Rucksack, in dem alles für Übungen und Märsche verstaut wird.
L
- LBA (Logistikbasis der Armee) — Die Organisation, von der du am Anfang dein Material fasst und bei der du es am Ende wieder abgibst.
- Leuchtgamaschen (LüGa) — Reflektierende Bänder um die Beine, damit du im Dunkeln gesehen wirst.
- Liegen lang — Flach am Boden liegen, etwa in Deckung. Nicht zu verwechseln mit Liegestützen, auch wenn der Ton ähnlich klingt.
- LL (Lichterlöschen) — Nachtruhe. Ab jetzt ist Ruhe, mit Stirnlampe geht es weiter.
M
- Mag (Magazin) — Das Magazin deiner Waffe. Nicht das Munitionsmagazin, das ist das Lager.
- Marschbefehl — Dein persönliches Aufgebot mit Einrückungszeit und Ort, gilt als Fahrausweis im ÖV. Hast du 14 Tage vor Dienstbeginn keinen, meldest du dich.
- Matkontrolle (Materialkontrolle) — Alles Material wird ausgelegt und geprüft. Der Moment, in dem sich herausstellt, was fehlt.
- MatMag (Materialmagazin) — Das Lager der Kompanie für Material. Der Chef MatMag führt Buch über jedes Stück.
- MP (Militärpolizei) — Die Polizei der Armee. Am besten, du hast mit ihr nichts zu tun.
- MunMag (Munitionsmagazin) — Wie das MatMag, nur für Munition, mit strengerer Kontrolle.
- Mutterschiff — Slang für die grosse Transporttasche oder den Rollkoffer, in dem das Material lagert, das du gerade nicht brauchst.
- Mutz — Die Kappe beziehungsweise Wollmütze.
O
- Offiziersschule (OS) — Die Ausbildung vom Unteroffizier zum Leutnant. Endet mit dem 100-km-Marsch.
- Orientierungstag — Der obligatorische Informationstag im 18. Lebensjahr, vor der Rekrutierung.
P
- PA (Persönliche Ausrüstung) — Das Material, das dir persönlich zugeteilt ist und das du nach der RS mit nach Hause nimmst.
- Pavian — Wundgescheuerte Haut am Gesäss nach langen Märschen. Der Wolf ist das Gleiche am Oberschenkel.
- PD (Parkdienst) — Waffen und Material reinigen und instand stellen, meist nach Übungen oder Schiessen. Zeitaufwändig, aber der Grund, warum die Waffe funktioniert.
- Pikett — Bereitschaftsdienst: anwesend, ausgerüstet, wartend.
Q
- QM (Quartiermeister) — Verantwortlich für Rechnungsführung und Verpflegung auf Stufe Bataillon.
R
- Rekrut (Rekr) — Du, in den ersten Wochen. Nach der RS bist du Soldat.
- Retablieren — Etwas wieder in den ursprünglichen Zustand bringen: Material reinigen, Zimmer herrichten, dich selbst duschen.
- RS — Rekrutenschule, 18 Wochen. Die Daten ab 2027: RS-Start 2027.
- RSG (Reizstoffsprühgerät) — Der Pfefferspray.
- Ruhn (Ruhestellung) — Die entspannte Wartestellung, Hände hinter dem Rücken, ein Fuss seitlich. Das Gegenstück zur Achtungstellung.
S
- SABTA — Sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit. Kein offizieller Begriff, aber eine Fähigkeit, die jedes Kader beherrscht.
- Sackbefehl — Regelt, was in welche Tasche der Uniform gehört. Unterscheidet sich von Schule zu Schule.
- SBG (Suchen bis gefunden) — Das Kommando, wenn Material fehlt. Gesucht wird, bis es da ist.
- Schuma (Schutzmaske) — Die Gasmaske für den ABC-Fall.
- Schulkommandant (Schul Kdt) — Der Kommandant der ganzen Rekrutenschule.
- Sold — Der tägliche Betrag, den du im Dienst erhältst, neben dem EO. Wie viel genau: Sold und EO.
- Soldat (Sdt) — Der Grad nach der RS.
- SSW (Splitterschutzweste) — Die Schutzweste gegen Splitter und Projektile.
T
- TAZ (Tarnanzug) — Der Kampfanzug im Tarnmuster, das Tenü für alles, was schmutzig wird.
- Tenü — Allgemeiner Begriff für die Uniform und ihre Varianten. Tenü A ist der Ausgänger, das schöne Tenü für Ausgang und Anlässe. Der Befehl «Tenü X» sagt dir, was du anziehst.
- Trupp — Kleinste Formation unterhalb der Gruppe, meist zwei bis vier Personen für einen konkreten Auftrag.
U
- UOS (Unteroffiziersschule) — Die Ausbildung vom Soldaten zum Wachtmeister.
- UT (Untauglich) — Der Tauglichkeitsentscheid, der keinen Dienst bedeutet. Was er heisst und wie du ihn anfechten kannst: Militärdiensttauglichkeit.
V
- VBA (Verbandsausbildung) — Die dritte RS-Phase, in der das Gelernte im Verband, also mit Zug und Kompanie, umgesetzt wird.
- Verlesen — Sammelbegriff für Antrittsverlesen, Abendverlesen und Hauptverlesen: antreten, Bestand melden, Befehle empfangen.
- Verschiebung — Ortswechsel einer Formation, zu Fuss oder mit Fahrzeug. Nicht zu verwechseln mit der Dienstverschiebung, dem Gesuch, die RS oder den WK zu verschieben.
W
- Wachtmeister (Wm) — Unteroffiziersgrad, typischerweise Gruppenführer und die Person, die dich in der RS am direktesten ausbildet.
- Wegtreten — Kommando, das eine Person oder Gruppe aus der Formation entlässt.
- WEMA — Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft des Materials: am Ende einer Übung wird alles gereinigt, geprüft und instand gestellt.
- WK (Wiederholungskurs) — 19 Tage pro Jahr nach der RS, sechs Mal im WK-Modell. Alles dazu im WK-Guide und zu den WK-Daten 2027.
- Wolf — Wundgescheuerte Haut zwischen den Oberschenkeln. Vaseline vorher, siehe Marschtipps.
Z
- Zeitmilitär — AdA mit befristetem Arbeitsvertrag bei der Armee, weder Miliz noch Berufsmilitär.
- Zimmerchef — Der Verantwortliche für ein Zimmer: Ordnung, Bestand, Meldung beim ABV.
- Zug — Formation von etwa 30 bis 40 AdA, geführt vom Zugführer, meist ein Leutnant. Der Zug ist deine Familie für 18 Wochen und die Einheit, für die Zugsbadges und Zugspullover bestellt werden.
- Zwipf (Zwischenverpflegung) — Der Snack zwischen den Mahlzeiten, oft aus einer Kiste, die bei langen Ausbildungen am Morgen und am Nachmittag geöffnet wird. Ein heiliger Moment.
Weiterlernen
Die offiziellen Abkürzungen, das NATO-Alphabet, die Gradabzeichen und die Beretfarben sind als Lernkarten und Quiz im Armeekompass hinterlegt. Wer sie vor der RS durchgeht, versteht am ersten Tag, was der Wachtmeister meint, und das ist mehr Vorsprung, als es klingt.
Häufige Fragen
Was bedeutet ABV in der Armee?
ABV steht für Abendverlesen. Jeden Abend melden die Zimmerchefs dem Vorgesetzten den Bestand ihres Zimmers: wer anwesend ist, wer im Urlaub, wer krank. Das Gegenstück am Morgen ist das Antrittsverlesen (AV).
Was ist ein AdA?
AdA heisst Angehörige oder Angehöriger der Armee und ist der offizielle Sammelbegriff für alle Dienstleistenden, vom Rekruten bis zum höchsten Grad.
Was heisst IDE im Militär?
IDE steht für Innerer Dienst: Kaserne und Zimmer reinigen, Material ordnen, sich selbst herrichten. Er findet regelmässig statt und wird kontrolliert.
Was ist die Hiba?
Die Hindernisbahn, eine Sportanlage mit Hindernissen, auf der Rekruten trainiert und gemessen werden. Sie gilt als der Ort mit den meisten Verletzungen der Rekrutenschule.
Was bedeutet Tenü A?
Tenü A ist die Ausgangsuniform, umgangssprachlich der Ausgänger: das schöne Tenü für Ausgang, Anlässe und den Weg nach Hause. Der Tarnanzug (TAZ) ist dagegen das Arbeitstenü für Ausbildung und Übungen.
Leandro Ferrari
Ausgehoben als Grenadier, Einheitssanitäter in Airolo, Wachtmeister und Leutnant ganz abverdient, heute in der Kommunikationsausbildung. Armeekompass ist sein Projekt.
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