RSVorbereitung

Die ersten Wochen der RS: Ablauf, Phasen & ehrliche Tipps

Die RS dauert 18 Wochen in drei Phasen (AGA, FGA, VBA). Die ersten drei Wochen sind für alle Chaos — warum das normal ist und 11 Tipps, die wirklich helfen.

Leandro FerrariPubliziert am 3. September 2026Aktualisiert am 3. September 20264 Min. Lesezeit

Die ersten Wochen der RS sind für die meisten die intensivste Zeit des ganzen Militärdiensts: neue Umgebung, neues Material, neue Regeln, wenig Schlaf — und alles zum ersten Mal. Die gute Nachricht: Die RS ist klar strukturiert (18 Wochen, drei Phasen), das Anfangschaos ist normal und eingeplant — und es wird ab Woche vier spürbar besser. Hier ist der Ablauf, ehrlich erklärt von einem Offizier, der mehrere Rekrutenschulen erlebt hat.

Der Aufbau: 18 Wochen, drei Phasen

Phase Dauer (ca.) Worum es geht
AGA — Allgemeine Grundausbildung ~4 Wochen Alle auf denselben Stand bringen: Material fassen, Waffe, Sicherheit, Sanität, militärische Grundlagen (Grüssen, Melden, Grade erkennen), Rechte und Pflichten
FGA — Funktionsgrundausbildung ~8 Wochen Ausbildung in deiner Funktion: Infanterist, Sanitäter, Fahrer, Funker, Logistiker … — weniger Theorie, viel Praxis mit deinem Gerät
VBA — Verbandsausbildung ~6 Wochen Zusammenspiel in Gruppe, Zug und Kompanie, oft mit Verlegungen an andere Standorte

Einzelne Spezialfunktionen haben eine längere RS — der Grundaufbau bleibt aber immer gleich. Wer versteht, dass jede Phase ein klares Ziel und ein Enddatum hat, empfindet den Einstieg deutlich weniger überfordernd.

Die ersten drei Wochen: ehrlich gesagt Chaos — und zwar für alle

Die ersten drei Wochen sind desorganisiert, laut, überfordernd und emotional intensiver, als die meisten erwarten. Das ist kein Zeichen, dass du versagst — es ist das Design: Du wirst aus deiner kompletten Komfortzone (Zuhause, Tagesablauf, Freunde) in lauter Neues geworfen. Jede Woche wandert mehr davon in deinen «beherrschten» Bereich: Abläufe sitzen, du kennst deine Kameraden, du hast Routine. Genau das ist Wachstum — und ab Woche drei bis vier merkst du es selbst.

Ein Punkt, den kaum jemand auf dem Radar hat: Auch dein Kader macht vieles zum ersten Mal. Wachtmeister und Leutnants sind oft direkt nach ihrer eigenen Kaderausbildung zum ersten Mal in ihrer Rolle — unter Zeitdruck und Beobachtung von oben. Vieles, was unfair oder hektisch wirkt, ist schlicht Stress auf allen Stufen.

11 Tipps für die ersten Wochen

  1. Nimm nichts persönlich. Der wichtigste Tipp überhaupt. Angeschrien werden, korrigiert werden, gefühlt unfair behandelt werden — das liegt fast nie an dir. Trenne den Ton vom Inhalt: Ist die Korrektur sachlich richtig, nimm sie an; die Emotion lässt du abprallen.
  2. Denk in 24-Stunden-Blöcken. Der grösste Fehler ist, am ersten Tag «vier Monate» zu denken. Der nächste Tag, das nächste Essen, die nächste Nacht — mehr musst du nicht verarbeiten.
  3. Fall nicht auf — in keine Richtung. Weder Überflieger noch unsichtbar: zuverlässig, ruhig, aufmerksam, korrekt. Gesundes Mittelmass ist am Anfang Gold wert.
  4. Hör mehr zu, als du redest. Wer zuhört, wenn erklärt und korrigiert wird, erspart sich Zusatzstress — alles Wichtige wird gesagt.
  5. Frag überlegt. Fragen sind erlaubt — aber im richtigen Moment, im richtigen Ton, an die richtige Person. Vieles klärt zuerst der Kamerad neben dir, manches gehört unter vier Augen.
  6. Schlaf ist heilig. Du wirst zu wenig davon haben. Also: Handy weg, wenn Gelegenheit ist, und nicht jede Zimmerdiskussion bis Mitternacht mitnehmen. Zwischen fünf und siebeneinhalb Stunden Schlaf liegt ein komplett anderer Mensch.
  7. Iss — auch unter Stress. Du verbrennst mehr Kalorien, Energie und Nerven als im Zivilleben. Lieber schnell essen als gar nicht.
  8. Kameradschaft ist der Schlüssel. In den ersten Wochen entscheidet sich, mit wem du zusammenhältst. Du musst nicht alle mögen — Respekt, Fairness und Hilfsbereitschaft kommen immer zurück.
  9. Vergleich dich nicht. Im Zimmer treffen alle Gesellschaftsschichten aufeinander: Sportler, Naturtalente, komplett Unsportliche. Du wirst in manchem besser sein und in manchem schlechter — es ist kein Wettbewerb.
  10. Glaub nicht alles, was du denkst. «Ich schaffe das nicht» in Woche eins ist eine Stressreaktion, keine Realität. Müde, überfordert, durchnässt — in dem Zustand lügt der Kopf.
  11. Behalt den Humor. Wer im Chaos, im Regen und beim Warten noch lachen kann, ist mental einen Schritt voraus. Das Militär ist manchmal absurd — nimm es ernst, wenn es ernst gilt, und mit Humor, wenn nicht. Alles davon ist temporär: der Drill, der Stress, das Wetter. Was bleibt, sind Kameradschaft und Geschichten.

Vor dem Einrücken

Das meiste Anfangschaos lässt sich entschärfen, bevor es losgeht: Packliste mit den bewährten Extras, alle Fristen und Termine vor der RS und ein solides Fitnesstest-Resultat als Basis. Ab 2027 gelten übrigens neue RS-Startdaten (Winter: 15. Februar, Sommer: 16. August). Und für alles ab Woche eins: 45 praxiserprobte RS-Tipps.

Wenn es dir in der RS psychisch ernsthaft schlecht geht, bist du nicht allein: Der Psychologisch-Pädagogische Dienst der Armee (PPD) ist genau dafür da — ihn zu kontaktieren ist völlig in Ordnung und kein Zeichen von Schwäche.

Häufige Fragen

Wie ist die RS aufgebaut?

Die Rekrutenschule dauert 18 Wochen und gliedert sich in drei Phasen: die Allgemeine Grundausbildung (AGA, ca. 4 Wochen — Material, Waffe, Sicherheit, militärische Grundlagen), die Funktionsgrundausbildung (ca. 8 Wochen — Ausbildung in deiner Funktion) und die Verbandsausbildung (ca. 6 Wochen — Zusammenspiel in Gruppe, Zug und Kompanie, oft mit Verlegungen). Einzelne Spezialfunktionen haben eine längere RS.

Sind die ersten Wochen der RS die schlimmsten?

Die intensivsten — ja. Die ersten drei Wochen sind für praktisch alle chaotisch, laut und überfordernd, weil alles gleichzeitig neu ist. Das ist normal und kein Zeichen von Versagen: Ab Woche drei bis vier kommt Routine, und es wird spürbar besser.

Was lernt man in der AGA?

Die Allgemeine Grundausbildung bringt alle auf denselben Stand: Umgang mit der persönlichen Waffe, Sicherheit, Schutzmaske, Sanität, militärische Grundlagen wie Grüssen, Melden und Grade erkennen sowie deine Rechte und Pflichten als Rekrut.

Was kann ich tun, wenn ich in der RS psychisch nicht mehr klarkomme?

Sprich zuerst mit deinen Zimmerkameraden oder deinem Kader — und nutze den Psychologisch-Pädagogischen Dienst der Armee (PPD). Gerade am Anfang der RS ist es völlig in Ordnung, dort Unterstützung zu holen.

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