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45 RS-Tipps von einem Offizier der Schweizer Armee

Von Zimmerordnung über Schlaf bis Kameradschaft: 45 erprobte Tipps, die die Rekrutenschule leichter machen — von einem Offizier, der beide Seiten kennt.

Leandro FerrariPubliziert am 3. September 2026Aktualisiert am 3. September 20265 Min. Lesezeit

45 Tipps, die die Rekrutenschule spürbar leichter machen — gesammelt über eine komplette RS und mehrere Schulen danach, aus der Perspektive von jemandem, der beides war: Rekrut und Offizier. Keine Theorie, nur Dinge, die funktionieren.

Sozial: Kameradschaft entscheidet

  1. Ruf deine Familie an. Erzähl ihnen, wie es ist. Es hält dich geerdet — und macht ihnen Freude.
  2. Übernimm eine kleine Rolle im Zug. Wetterchef, Witz des Tages, Kleiderordnung im WhatsApp-Chat: Wer freiwillig etwas übernimmt und gut macht, wird schneller Teil der Gruppe.
  3. Ihr seid so stark wie das schwächste Glied. Hilf beim Zimmer, beim Marsch, überall — statt dich über Langsamere lustig zu machen.
  4. Hab Verständnis für deine Kameraden. Zwölf Fremde in einem Zimmer, rund vierzig im Zug — alle mit eigener Geschichte, eigenen Probleme, eigenen Stärken.
  5. Hab Verständnis fürs Kader. Wachtmeister und Leutnants machen ihre Aufgabe meist zum ersten Mal und geben ihr Bestes (wer welche Rolle hat).
  6. Sprich Probleme direkt an — der Person ins Gesicht, wie Erwachsene. Nicht hinter dem Rücken.
  7. Verarschen gehört dazu. Man verarscht andere, man wird selber verarscht — nimm es nicht persönlich, lach mit.
  8. Duscht. Täglich. Eure Kameraden danken es euch.
  9. Schaut aufeinander. Es kommt vor, dass es jemandem psychisch nicht gut geht — im Zimmer merkt man das zuerst. Geht auf die Person zu, hört zu, holt Hilfe, wenn es ernst ist.
  10. Seid nicht neidisch. Manche haben Glück (der Fahrer mit sechs Stunden Schlaf), andere nicht. Mach das Beste aus deiner Situation.

Organisation: Ordnung schlägt Chaos

  1. Nimm die Zimmerordnung ernst. Sie ist das erste Stück Ordnung im Anfangschaos — und gemeinsames Aufräumen schweisst zusammen.
  2. Teilt die Aufgaben auf. Einer putzt alle Schuhe, einer richtet die Rucksäcke, einer macht die Schränke — mit fixen Zuständigkeiten steht das Zimmer in der halben Zeit.
  3. Schreib alles an. Im Militär darfst du fast alles kaputt machen, aber nichts verlieren. Angeschriebenes Material findet den Weg zurück.
  4. Lies den Tagesbefehl. Wer weiss, was morgen kommt, steht mit einem Plan auf statt mit einem Fragezeichen.
  5. Kenn den Grobablauf der RS. Erst Grundausbildung, dann Funktionsausbildung, dann Verbandsausbildung — wer das Muster kennt, versteht, warum was passiert.
  6. Abends kurz abschalten, dann alles bereitmachen. Material versorgt, Sachen parat — der nächste Morgen dankt es dir.
  7. Trink genug. Lange Märsche, lange Theorieblöcke — Trinken geht ständig vergessen.
  8. Handy, Kopfhörer, Ladegerät. Damit du verbunden bleibst, Musik hast und erreichbar bist (komplette Packliste).
  9. Hautschonender Rasierer. Tägliches Rasieren reizt die Haut — ein Elektrorasierer (z. B. OneBlade) löst das Problem.
  10. Kaugummi zieht immer. Wer täglich Kaugummi dabei hat, ist schnell die beliebteste Person im Halbkreis.

Mental: der Kopf macht den Unterschied

  1. Nimm nichts persönlich. Der harte Umgangston ist normal und gilt nicht dir.
  2. Akzeptier, wo du bist. Für die nächsten Stunden, Tage, Wochen bist du hier — wer dagegen ankämpft, verliert nur Energie.
  3. Warte einen Monat, bevor du urteilst. Es braucht vier bis sechs Wochen, bis du dich eingefunden hast. Halt dich am Anfang ruhig — danach kannst du Gelegenheiten suchen.
  4. Stell dir vor, wie du als 80-Jähriger zurückblickst — auf das Zimmer, die Witze, die Märsche. Plötzlich bist du froh, dabei zu sein.
  5. Denk im Storyteller-Frame. Die mühsamsten Momente von heute sind die besten Geschichten von morgen.
  6. «Es geht wieder vorbei.» Schmerzen, Müdigkeit, Regen — jeder Sturm im Militär zieht vorüber. Dieses Mantra trägt durch die RS.
  7. Glaub nicht alles, was du denkst, wenn du müde, nass und überfordert bist. Das ist Stress, nicht Realität.
  8. Such dir Sinn. Frag dich (oder dein Kader), warum du etwas lernst oder machst. Mit Verständnis wird auch Abstraktes erträglich.
  9. Mach alles bestmöglich — Zimmerordnung, Putzen, jede Aufgabe. Eine Lebenseinstellung, die weit über das Militär hinaus trägt.
  10. Such dir die grösste tragbare Verantwortung. Wer Zuständigkeiten übernimmt statt Zeit abzusitzen, gibt seinem Dienst Sinn — und lernt am meisten.

Schlaf & Energie

  1. Schlaf ist heilig. Nicht jede Diskussion im Zimmer bis Mitternacht mitnehmen — auch wenn sie zu den besten Erinnerungen gehören werden.
  2. Einschlaftechnik: Im Bett bewusst jeden Muskel entspannen — vor allem das Gesicht: Backen, Gaumen, Kiefer, Augen. Du schläfst schneller ein, als du denkst.
  3. Wachbleiben in der Theorielektion: ein paar bewusst kräftige Atemzüge, um den Kreislauf anzukurbeln.
  4. Iss, auch wenn es stressig ist. Der Körper verbrennt in der RS deutlich mehr als im Zivilleben.
  5. Bei Schnarchern: Ohropax oder Kopfhörer rein, gute Nacht.

Lernen & Weiterkommen

  1. Pass in den Schulungen auf. Was du beim ersten Mal richtig lernst, musst du nie unter Stress nachholen.
  2. Führ ein Dienstjournal. Die meisten Erlebnisse gehen sonst vergessen. Abends drei Sätze reichen — später ist es Gold wert (im Armeekompass gibt es dafür ein digitales Dienstjournal mit Fotos).
  3. Nimm ein Buch oder einen Podcast mit. Es gibt immer wieder halbe Stunden, in denen du abschalten kannst.
  4. Nutz den Ausgang. Gemeinsame Abende sind die beste Teambildung — geht zusammen.
  5. Bring Verbesserungsvorschläge ein. «Ist so, weil es immer so war» ist keine Antwort. Vielleicht stösst du auf Granit — vielleicht veränderst du etwas.

Wenn es ernst wird

  1. Bei Problemen: Der PPD ist für dich da. Der Psychologisch-Pädagogische Dienst der Armee ist ansprechbar, gerade am Anfang der RS — das zu nutzen ist völlig in Ordnung.
  2. Schikane ist nicht okay. Wirst du grundlos ungerecht behandelt oder körperlich/psychisch bestraft, melde es. Das ist kein Petzen, das ist dein Recht.
  3. Am Wochenende: abschalten, aber zuhören. Erzähl deinen Leuten von der Woche — und lass dir ihre Geschichten erzählen, damit der Kopf mal woanders ist. Und ja: dass die RS dich auch am Wochenende nicht ganz loslässt, ist normal.
  4. Ihr sitzt alle im gleichen Boot. Rekruten, Wachtmeister, Leutnants — fast alle machen ihre Rolle zum ersten Mal. Diese Perspektive nimmt viel Druck raus.
  5. Trag deinen Namen mit Stolz. Er steht auf deiner Brust — Ferrari, Garcia, Müller, was auch immer. Was du machst, mach mit Stolz.

Und vor dem Einrücken?

Die beste RS beginnt vor Tag eins: Packliste, Vorbereitungs-Timeline mit allen Fristen und Fitness aufbauen. Was dich in den ersten Wochen erwartet, steht im RS-Einstiegs-Guide.

Häufige Fragen

Was ist der wichtigste Tipp für die Rekrutenschule?

Nimm nichts persönlich. Der harte Ton, Korrekturen und gefühlt unfaire Behandlung liegen fast nie an dir — trenne den Ton vom Inhalt: Sachlich Richtiges annehmen, die Emotion abprallen lassen. Direkt danach kommt Kameradschaft: Wer hilft und fair ist, bekommt es immer zurück.

Wie schlafe ich in der RS schneller ein?

Im Bett bewusst jeden Muskel entspannen, vor allem im Gesicht: Backen, Gaumen, Kiefer und Augen locker lassen. Dazu: Handy weg und nicht jede Zimmerdiskussion bis Mitternacht mitnehmen — der Unterschied zwischen fünf und siebeneinhalb Stunden Schlaf ist enorm.

Was mache ich, wenn ich in der RS schikaniert werde?

Grundlose Ungleichbehandlung oder körperliche/psychische Bestrafung ist nicht in Ordnung — melde es. Bei persönlichen Problemen ist zudem der Psychologisch-Pädagogische Dienst der Armee (PPD) ansprechbar; das zu nutzen ist völlig legitim.

Soll ich in der RS ein Tagebuch führen?

Ja — drei Sätze am Abend reichen. Die meisten Erlebnisse gehen sonst vergessen, und später sind die Einträge Gold wert. Im Armeekompass gibt es dafür ein digitales Dienstjournal mit Fotos.

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